Psalm 23: Menschen und Schafe
Psalm 23,1–6:
Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele; er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde; du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde im Hause des HERRN bleiben immerdar.
Vor einigen Jahren, während einer Tätigkeit in Nevada, die nicht nur eine Indianerreservation, sondern auch das umliegende Minenlager und das Rinderzuchtgebiet umfasste, wurde in einem frühen Gottesdienst Christus als der gute Hirte und die Gläubigen als die Schafe seiner Weide behandelt. Nach dem Gottesdienst machte ein Rinderzüchter freundlich darauf aufmerksam, daß dieses Bild in der Rinderzuchtgegend nicht beliebt sei. Kein Rinderzüchter lasse sich gerne mit Schafen vergleichen. Schafe seien niedrige, schmutzige Kreaturen. Er hatte recht. In der Tat gehören Schafe zu den schmutzigsten Tieren. Der durchschnittliche Städter, der diesen Psalm liest, gewinnt eine völlig falsche Vorstellung. Der Rinderzüchter war der Wahrheit näher, obwohl er das Bild ablehnte.
Unsere Vorstellung von Schafen stammt von Bildern kleiner, wolliger, neugeborener Lämmer, sauber und frisch. Doch die Wolle der Schafe nimmt Schmutz auf; tatsächlich sammelt sie nicht nur Schmutz und Stücke von Zweigen und Kieselsteinen, sondern sogar Kies. Sie ist so dicht verwoben, daß nahezu jeder Schmutz, den die Hufe anderer Schafe gegen sie aufwirbeln, darin hängen bleibt. Hinzu kommt, daß sie riecht. Schafe sind alles andere als angenehm in ihrer Nähe. Und ihr Geruch ist alles andere als wohlriechend. Zudem sind Schafe äußerst dumm. Sie bedürfen rund um die Uhr der Pflege. Hält man die Schafe nicht in einem Stall oder einem eingezäunten Weidegrund, den man im Auge behalten kann, so bedarf es eines Hirten und von Hirtenhunden, die 24 Stunden am Tag über sie wachen.
Das Leben eines Schäfers ist ein schweres. Er muß rund um die Uhr bei den Schafen sein, er braucht außerordentlich gute Hunde, damit diese, wenn er nachts in den Schäferwagen steigt, um zu schlafen, die Schafe natürlich mit seiner Hilfe zusammengetrieben und für die Nacht niedergelegt haben, und die Hunde die ganze Nacht über Wache halten, um sicherzustellen, daß nicht nur kein wildes Tier den Schafen nachstellt, sondern daß diese auch nicht abwandern. Hinzu kommt, daß nichts ärgerlicher ist als ein beliebiger Pfad in Schafgebiet, denn die Schafe, wenn sie einen Pfad sehen, folgen ihm. Sie halten nicht an zu fressen, sie folgen einfach dem Leittier den Pfad hinab. Und wenn das Leittier sie über eine Klippe führt, stürzen sie alle hinterher und häufen sich zu seinen Füßen. Schafe sind dumm.
Wenn Gott uns nun mit Schafen vergleicht, so tut Er dies als der allmächtige, allweise Gott, der weiß, wovon Er spricht. Er sagt, die Menschen seien wie Schafe. Er wollte damit keineswegs schmeicheln. Daher kannten die Viehzüchter die Psalmen weit besser als der durchschnittliche Pfarrer, der meint, es sei so schöne Sprache, und der durchschnittliche Gemeindeglied, der denkt, sei das nicht ein süßes Bild.
Was Gott damit aussagt, daß wir Schafe sind, ist dies: Sich selbst überlassen, sind wir nicht nur unrein, nicht nur dumm, sondern auch hilflos.
Weil Gott die Menschen sehr ähnlich wie Schafe sieht, weiß Er, daß die Menschen einen Hirten brauchen. Gott redet in der Schrift wiederholt von Sich Selbst als dem guten Hirten Seines Bundesvolkes. Einige Stellen, in denen dies ausgesagt wird, sind Psalm 80,1; Hesekiel 34,12; und viele andere. Dann, wenn die Verheißung des Messias gegeben wird, wird uns gesagt, daß der Messias der Hirte Seines Volkes sein wird: Sacharja 11,16; Jesaja 40,11; und so weiter. Darüber hinaus erklärte der Herr Sich Selbst zum guten Hirten der Schafe, in Johannes 10,14. Und die Briefe reden wiederholt von Ihm als dem guten Hirten: Hebräer 13,20; 1. Petrus 2,25; und 1. Petrus 5,2 und 4.
Nicht nur Gott erklärt sich selbst zum Hirten des Menschen. Im Altertum beanspruchten Könige sowohl Göttlichkeit als auch die Rolle des Hirten für sich. So bezeichneten sich beispielsweise die babylonischen und assyrischen Monarchen sowie andere Herrscher in ihren Inschriften als Hirten der Menschen. Sie beanspruchten totale Kontrolle über ihre Völker und forderten totale Unterwürfigkeit. Sie gingen davon aus, daß die Menschen ohne sie hilflos seien und sie als Hirten bräuchten. Derselbe Anspruch wird heute vom Staat erhoben. Er gebraucht dafür nicht jene Sprache. Doch die gesamte Ideologie des Wohlfahrtsstaates, des Sozialismus und des Kommunismus besteht darin, daß Menschen Schafe sind und vom Staat gehütet werden müssen. Dies wird von verschiedenen Gelehrten immer deutlicher ausgesprochen. Tatsächlich hat ein Mitglied der englischen Labour Party erklärt, die meisten Menschen seien so dumm, daß sie eine Elitegruppe bräuchten, die sie hütet und führt.
Die Bibel hat somit von anderer Seite als den Schriftstellern der Heiligen Schrift Bestätigung erhalten, daß Menschen Schafe sind. Die Frage lautet: Wessen Schafe sind sie? Gottes oder die des Staates? Wenn Schafe nicht von einem Hirten geleitet werden, folgen sie blindlings dem Anführer ins Verderben. Wenn Menschen nicht von Gott regiert werden, werden sie von Menschen regiert. Von Gott regiert zu sein bedeutet, völlig seiner Regierung und seinem Wort untertan zu sein. Vom Staat regiert zu sein bedeutet, ganz und endgültig Geschöpf des Staates zu sein und völlig vom Staat regiert zu werden. Menschen sind Schafe, aber wessen Schafe? Menschen wurden von Gott nicht geschaffen, um die Schafe der Weide des Staates zu sein.
Zudem sind Menschen nach der Schrift mehr als Schafe. Sie sind als Bild Gottes geschaffen, um sein Volk zu sein. Und das Bild Gottes im Menschen zieht den Menschen zu Gott, gleichwie in der Sünde Menschen einen Gott suchen, wenn auch einen falschen. Der heilige Augustinus sagte: Unser Herz ist unruhig, bis es in dir ruht. Und Menschen versuchen in ihrer Sünde, jene Unruhe durch die Suche nach falschen Göttern zu betäuben. Wenn Menschen aber ihre Ruhe in Christus finden, sind sie dann frei, Menschen zu sein, Herrschaft auszuüben, in Gerechtigkeit und Heiligkeit zu regieren, unter Gott Erkenntnis zu gewinnen. Sie sind dann nicht Schafe im Verhältnis zu anderen Menschen, sondern nur im Verhältnis zu Christus. Dies wird im 23. Psalm sehr deutlich dargelegt.
Der Psalm beginnt: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Das volle Vertrauen der Schafe zu ihrem Hirten; weil Gott unser Hirte ist, übergeben wir uns völlig seiner Obhut. Und er läßt uns lagern auf grünen Auen und führt uns an stillen Wassern.
Psalm 23,1–2 Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erneuert unsere Seele und führt uns sicher, so daß wir kein Übel fürchten müssen. Denn ob wir auch wandern im finsteren Tal, so fürchten wir kein Unglück; denn der Hirte ist bei uns, seine Fürsorge ist gewiß, er wird uns sicher geleiten. So gibt uns der erste Teil des 23. Psalms ein Bild von uns als Schafe Gottes: die vollkommene Sicherheit, das vollkommene Vertrauen, die vollkommene Zuversicht, die uns zuteilwird, wenn wir dem großen Hirten der Schafe folgen.
Psalm 23,1–4 Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele; er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Doch dann wendet sich die zweite Hälfte des Psalms und betrachtet uns in der Beziehung zu den Menschen. Dort begegnet uns ein anderes Bild. Nicht das von uns als Schafen in der Beziehung zu den Menschen, sondern das von solchen, die allein bestehen können im Angesicht von Feinden. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, mein Becher läuft über. Ein Festmahl auf dem Schlachtfeld. Der überlaufende Becher. Ein Bild des Überflusses. Und das mit Öl gesalbte Haupt — das Symbol eines Propheten und eines Königs. So tritt der Mensch den Menschen nicht als Schaf entgegen, sondern als König, als Prophet: mächtig, stark und unabhängig. Der Psalm stellt somit einen lebendigen Kontrast dar: wir als Schafe in der Beziehung zu Christus, ihm vollkommen vertrauend, uns seiner Führung vollkommen hingegebend, vollkommen zuversichtlich, daß wir auch im finsteren Tal kein Übel zu fürchten brauchen. Und doch, in der Beziehung zu den Menschen, Könige und Propheten, fähig, vor ihnen furchtlos, zuversichtig und siegreich zu bestehen.
Wir sind befreit, wenn wir Christus als unseren Hirten folgen, von jedem Drang, den Diktaten der Menschen wie Schafe zu folgen. Wir sind die Herde des Herrn.
Psalm 23,5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl; mein Becher läuft über.
Dieser gesamte Psalm steht in engster Beziehung zu einem sehr modernen Thema: dem Hypnotismus. Auf den ersten Blick mag dies ein seltsamer Gegenstand erscheinen. Doch der Hypnotismus ist eine verhältnismäßig moderne Erscheinung. Es gab Andeutungen davon in der Antike, aber erst mit der Aufklärung, insbesondere im 18. Jahrhundert und vor allem im vergangenen Jahrhundert, trat der Hypnotismus hervor. Er war praktisch unbekannt bis zu den Tagen Mesmers, vor nur etwa einem Jahrhundert. Er war eine sehr geringfügige, unbedeutende Sache. Heute aber ist der Hypnotismus ein sehr wichtiges Thema. Was ist Hypnotismus? Ein Gelehrter auf diesem Gebiet hat geschrieben — ich zitiere: „Hypnotismus ist eine besondere Form direkter oder prestigebasierter Suggestion. Etwas, dem wir alle jeden Tag unseres Lebens ausgesetzt sind.“ Zitatende. Das ist eine interessante Definition. Prestigesuggestion. Wo immer Snob-Appeal wirkt, mit anderen Worten, da wirkt Hypnotismus. Und dies erklärt, warum jene, die am empfänglichsten für Hypnotismus sind, die gebildetsten, wohlhabendsten und gottlosesten Menschen sind.
Nach einem anderen Gelehrten, Robert W. Marks, können Menschen auf jede Art von Appell konditioniert werden und werden voll und ganz und en masse reagieren, wenn der Appell lange genug aufrechterhalten wird. Marks definiert Hypnose auf die Frage hin als zweifellos eine Form der Konditionierung, ein Auslösen von Veranlagung. Ferner, als er das Thema weiter ausführt, beschreibt er Hypnose als herbeigeführten Infantilismus: eine Regression in die frühe Periode willenloser Sicherheit des Individuums. Die Grade der Hypnose korrelieren mit dem Ausmaß der Regression. Der Hypnotiseur steht zum Subjekt in demselben Verhältnis wie ein Vater oder eine Mutter zum Kinde. Das Subjekt gibt seinen Willen auf, weil der Hypnotiseur eine Situation neu schafft, nach der das Subjekt unbewusst verlangt. Die hypnotische Situation ist kurz gesagt eine vorübergehende Liebesbeziehung, in der der Hypnotiseur entweder die streichelnde, verständnisvolle Mutter oder den allwissenden, allmächtigen Vater symbolisiert. Dabei achtet der Hypnotiseur darauf, wie er ein Subjekt in Hypnose versetzt, indem er eine Mutter- oder Vaterrolle einnimmt in der Art, wie er Gehorsam fordert. Widerstände gegen Hypnose rekapitulieren die Identifikationen des Subjekts mit oder seine Abhängigkeit von Eltersymbolen. Ein Forscher unterschied Mutterhypnose und Vaterhypnose als Techniken, welche die vermeintlichen Symbole nutzen. Die regressiven Tendenzen mancher Subjekte sind mit mütterlichen Mustern assoziiert; sie reagieren auf Streicheln, beruhigende Worte, Zusicherungen von Wohlergehen und Liebe — dies ist die Technik des Wiegenlieds, die Mutterhypnose. Die Vaterhypnose ist der Befehl der Autorität: Du wirst schlafen, du kannst nicht widerstehen, es ist unmöglich für dich, dagegen anzukämpfen. Schlafe. Dies ist eine Nachstellung der Rolle des strengen Vaters; sie besagt im Kern: Ich werde dir Liebe und Schutz geben, aber nur unter einer Bedingung: Du musst gehorchen. Wenn du dich weigerst, werde ich dich vernichten.
Marks fährt fort: Menschen seien leicht zu hypnotisieren, weil sie eine unheilbare Schwäche für Autorität besäßen. Er vergleicht ihr Verhalten als Individuen und besonders als Massen mit dem von Schafen und sieht darin den Grund für ihre leichte Hypnotisierbarkeit. Im Panorama des Massenverhaltens ließen sich mehrere Generalisierungen isolieren: Erstens löst die Masse die Fähigkeit zum vernünftigen Denken auf, die ihre Mitglieder in Isolation zeigen. Zweitens neigt eine Masse dazu, Hemmungen abzuwerfen. Drittens — was Hitlers geistiger Vorläufer Le Bon den Durst nach Gehorsam nannte, das Verlangen, geführt zu werden. Viertens die scharfe Unterscheidung zwischen den Verhaltensweisen geführter und führerloser Gruppen.
Es gibt nur zwei Arten von Menschen, die gegen Hypnose immun sind. Die erste ist der extreme Neurotiker. Nicht leicht, sondern extrem, nahezu totale Neurose: totale Rebellion gegen Gott, gegen Eltern, gegen die Gesellschaft. Die radikale Unwilligkeit, sich irgendeiner Autorität zu unterwerfen, der Rückzug, beinahe, in einen katatonischen Zustand, in völligen Wahnsinn. Ein einsames Leben. Solche Menschen können nicht hypnotisiert werden, weil sie sich so weit zurückgezogen haben, daß kein Berührungspunkt mit ihnen hergestellt werden kann. Es gibt nichts, was zu ihnen durchdringen könnte.
Die andere Art von Person, die gegen Hypnose immun ist, ist der wahrhaft gottesfürchtige Mensch. In dem Maße, in dem jemand wahrhaft und gründlich Christ ist, in dem Maße ist er gegen Hypnose immun. Da er den Herrn zu seinem Hirten gemacht hat, kann kein Mensch über ihn als Hirte herrschen. Die Implikationen dieser gottesfürchtigen Immunität sind sehr wichtig. Anstelle des Infantilismus im Verhältnis zu anderen Menschen, der den hypnotischen Zustand und das Subjekt kennzeichnet, ist der Christ durch Reife gekennzeichnet. Er kann von anderen Menschen abhängig sein, aber nur als reifer Mann, nicht als Kind. Seine Abhängigkeit ist die eines Freundes, eines Ehemanns, einer Ehefrau, eines Mitarbeiters, nicht die eines Schafes oder eines Kindes. Das Ergebnis ist eine Freiheit von Hypnose und Beeinflussbarkeit.
Sowohl der Christ als auch der Nichtchrist sind Schafe, aber in Beziehung zu wem? Der Christ hat Gott zu seinem Hirten gemacht, und daher kann er nicht von Menschen gehirtet werden. Deshalb war der moderne totalitäre Staat nur in der modernen Welt möglich, mit dem Unglauben. Die Art von Totalitarismus, die der moderne Staat erfordert, konnte in früheren Zeiten nicht existieren. Deshalb ist Hypnose in der modernen Welt zu etwas geworden, wo sie in der Antike praktisch nichts war.
Der Christ ist suggestibel, Gott gegenüber. Er ist offen für die Führung Gottes. Der Nichtchrist ist offen für Hypnose, für Beeinflussbarkeit, für Führung durch Menschen.
Matthäus 18,3 Wir sind Kinder Gottes, und wir sind, wie unser Herr sagte, wie kleine Kinder im Himmelreich.
Das heißt, wir hören, wir gehorchen, wir nehmen das Wort Gottes an, und je mehr wir im Glauben wachsen, desto vertrauensvoller und unbedingter sind wir dem Wort Gottes gegenüber. Wogegen, wenn Menschen in Beziehung zu Menschen Schafe sind, desto vertrauensvoller, desto unbedingter sie in Beziehung zum Wort des Menschen sind. Deshalb ist es oft unmöglich, mit den Gottlosen zu reden, die ihrem Hirten, dem Staat, folgen. Und man versucht, ihnen zu sagen, was der Staat tut, und die Übel, die in dem latent sind, was sie vorschlagen, und sie können nicht akzeptieren, was man sagt; es liegt etwas Lästerliches in den Worten. Denn der Staat würde das nicht zulassen.
Jemand schilderte mir den Versuch, mit einigen Linken zu sprechen, die vor ein oder zwei Monaten noch sehr aktiv ein Kinderförderungsgesetz unterstützten. Der Versuch, ihnen die in diesem Gesetz liegenden Gefahren vor Augen zu führen, scheiterte völlig an der Unmöglichkeit der Verständigung. Sie waren bereit zuzuhören, doch die Worte drangen nicht zu ihnen durch, weil sie Schafe einer anderen Weide waren. Sie schenkten dem Staat jenes absolute Vertrauen, das allein dem guten Hirten Jesus Christus gebührt. Wer Christus als seinen guten Hirten ablehnt, wird zum Schaf in Beziehung zu Menschen. Und er folgt Menschen. Er folgt ihnen mit einer Absurdität, die entsetzlich ist.
Im Laufe der Jahre habe ich beobachtet, wie der gottlose Klerus jeder Mode nachäffte, die die Welt hervorbrachte. Es ist belustigend zu sehen, wie einige von ihnen in Kleidung und Gottesdienstgestaltung zu Hippies wurden — langhaarig, schmutzig und struppig, weil dies angeblich eine enorme soziale Relevanz besitze.
Ich überlegte kürzlich, welcher Torheit sie als Nächstes folgen würden, und es kam mir in den Sinn: Würden die extremen Hippies plötzlich nackte Gesäßpartien als Mittel des sozialen Protests in Mode bringen, so würden zweifellos einige dieser Geistlichen nachziehen. Und so, wie sie Bücher schrieben und Predigten hielten über die soziale Bedeutung der verschiedenen Hippie-Praktiken, könnten wir Bücher und Predigten über die soziale Bedeutung der Entblößung erhalten, oder über das Ablegen der Heuchelei — entblößte Gesäßpartien als Enthüllung und Anklage der Heuchelei unserer Zeit. Sie würden, auf die eine oder andere Weise, nachziehen, weil sie Schafe sind. Sie haben noch nie gezögert, irgendetwas zu tun, um in der Herde des Staates oder der Welt zu bleiben. Als Schafe werden sie folgen. Der Torheit von Menschen, die Menschen folgen, sind keine Grenzen gesetzt. Wir können jede Art von Absurdität von ihnen erwarten. Es ist Prestigesuggestion, das Wesen der Hypnose. Und Schafe folgen Schafen auf diese Weise.
Und die Frage, die wir uns unaufhörlich stellen müssen, wenn wir des Herrn Schafe sind, wie wir es in der Tat sind: Lasset ab von dem Menschen, dessen Odem in seiner Nase ist? Der Herr ist unser Hirte, und indem wir ihm folgen, wird uns nichts mangeln.
Die Schwäche des modernen Denkens liegt darin, Hypnose lediglich als extremes Phänomen zu betrachten: einen Menschen auf einer Bühne, der, weil man ihm einredet, er habe Flöhe, zu kratzen beginnt, oder, weil man ihn für einen Hund erklärt, bellt und auf allen vieren kriecht. Dies ist jedoch nur eine extreme Manifestation. Hypnose ist im Kern Prestigesuggestion. Alle Werbung beruht auf diesem Prinzip; es ist das Wesen von Moden und Modeströmungen. Sie setzt die Tatsache voraus, daß Menschen Schafe sind — eine sichere Annahme, denn sie sind es. Würden die Menschen aufhören, in ihrem Verhältnis zueinander Schafe zu sein, so würde dies die Werbung revolutionieren: Man müßte Qualität verkaufen statt Prestige. Heute aber ist der entscheidende Verkaufsfaktor das Prestige, die Qualität tritt in den Hintergrund.
Verschiedene Ausdrücke und Verhaltensweisen werden zu Modeerscheinungen, und die Menschen folgen ihnen. Der Begriff „Charisma“ ist ein altgriechisches Wort, das eine neue, moderne Bedeutung erhalten hat. Im Kern hängt es mit dem Gesagten zusammen. Der charismatische Führer — das Wort stammt von chrio, salben — ist der große Hirte, der Menschen anzieht, unabhängig von dem, was er sagt. So kann der charismatische Führer den gesunden Menschenverstand leugnen, und die Menschen applaudieren ihm. Hitler erklärte in einer berühmten, stürmisch beifällten Rede (er kam zur Macht in der Depression), man verspreche nicht höhere Brotpreise, nicht niedrigere Brotpreise, sondern nationalsozialistische Brotpreise. Diese Aussage hatte etwa soviel Sinn wie das, was man in Wahlkämpfen hört. Das Wesentliche war das charismatische Element. Natürlich suchen die Parteien heute nach einem Führer mit Charisma. Man erklärt, dieser oder jener habe Charisma, und deshalb sei er ein aussichtsreicher Kandidat. Das ist die Art von Wirkung, die sich einstellt — und sie stellt sich ein, weil die Menschen Schafe sind. Diese Tatsache müssen wir anerkennen. Solange sie in ihrem Verhältnis zu Menschen Schafe sind statt in ihrem Verhältnis zu Gott, werden sie einem charismatischen Führer folgen.
Man gebraucht das Wort „Charisma“ und hat es wiederbelebt, anstatt von einem „hypnotischen Führer“ zu sprechen. Denn das wäre ein zu offenes Eingeständnis.
Das Christentum wird vorgeworfen, das Opium des Volkes zu sein. Dieser Vorwurf, den Marx und andere Revolutionäre des neunzehnten Jahrhunderts erhoben, gründet sich auf einem eigentümlichen Umkehrschluß: Die Christen ließen sich nicht indoktrinieren, weil sie Charakter besaßen; ihre Widersacher deuteten diese Widerstandskraft jedoch als Folge einer betäubenden religiösen Einbildung. Derselbe verdrehte Logik
Der Charakter kann, wie angedeutet, gut oder böse sein. Ist der Charakter eines Menschen dem eines Schafes gegenüber Menschen gleich, so ist er unvermeidlich geneigt, sich einer menschlichen Autorität zu unterwerfen. Er mag hinsichtlich der Person, der er als Schaf folgt, differieren — so daß ein Zynismus entstehen kann, der diese oder jene Führung ablehnt, um einer anderen zu folgen —, doch wird er irgendeinem menschlichen Führer folgen, sein Heil in einem Menschen suchen. Sein Hirte wird ein Mensch sein, das wird seine Hoffnung im Leben sein. Sein gesamtes Verhaltensmuster wird darauf ausgerichtet sein, etwas von Menschen zu erwarten.
Wird der Charakter von Gott geformt, so wird er sich dem Wort Gottes angleichen, nicht humanistischen Maßstäben.
Wird er von Menschen geformt, so gibt es in seinem Charakter keine moralischen Absoluta. Die sich herausbildenden Gewohnheiten und Muster sind letztlich auf Selbstbefriedigung angelegt. Er folgt jenem Hirten, von dem er annimmt, daß er seine Forderungen nach Selbstbefriedigung am besten erfüllen wird. Er ist — und wird notwendigerweise — blind sein; es mag sein, daß der, dem er folgt, ihn rascher ins Verderben führt als ein anderer, doch folgt er, verblendet durch seine Sünde. Denn sein Charakter, der die moralischen Absoluta verworfen hat, ist unfähig, die logischen Folgen seines Handelns zu erkennen.
Epheser 1,22 „Und er hat alles unter seine Füße getan und ihn zum Haupt über alles der Gemeinde gegeben.“
Das königliche Amt Christi: Er hat alles unter seine Füße gelegt und ihn zum Haupt über alles der Gemeinde gemacht. Christus wurde von einem niedrigen Stand, ja von den Toten, zu einem hohen, einem sehr hohen und glorreichen Stand erhoben — zum Haupt sowohl der Welt als auch der Gemeinde. Der Welt Haupt kraft Herrschaft, der Gemeinde Haupt kraft Vereinigung und besonderer Einwirkung, die Welt regierend zum Wohl seines Volkes in ihr. Hier seien vier Dinge ernstlich erwogen.
Eins: Die Würde und Gewalt, die Christus zuteilwurde — er hat alles unter seine Füße gelegt. Das impliziert seine volle, uneingeschränkte und absolute Herrschaft sowie die Unterwerfung aller, über die er regiert. Diese Macht ist ihm vom Vater delegiert.
Zwei: Der Empfänger dieser Gewalt ist Christus, und Christus allein, primär und ausschließlich. Er ist das erste Gefäß aller Macht und Gewalt.
Drei: Der Gegenstand dieser Gewalt ist die ganze Schöpfung. Alles ist unter seine Füße gelegt. Er herrscht von Meer zu Meer bis an die äußersten Grenzen der Schöpfung Gottes. „Du hast ihm Macht über alles Fleisch gegeben.“ (Johannes 17,2)
Vier: Alle Angelegenheiten des Reiches der Vorsehung werden von Jesus Christus geordnet und bestimmt, zum besonderen Vorteil und zum ewigen Heil seiner erlösten Menschen.
Daß Jesus Christus alle Dinge dieser Welt vorsehungsgemäß lenkt, geht sowohl aus der Aussage der Schrift als auch aus der Beobachtung der Ereignisse hervor. Wie übt Christus seine Weltherrschaft aus?
Eins: Er regiert und ordnet das Reich der Vorsehung, indem er die unter seiner vorsehungsgemäßen Herrschaft Stehenden trägt, duldet, zügelt, begrenzt, schützt, straft und belohnt.
Zwei: Er erhält die Welt und alle Geschöpfe in ihr durch seine Macht.
Drei: Er duldet und gestattet das Schlimmste der Schöpfung in seiner Herrschaft, wenn sie es tun.
Vier: Er zügelt die Geschöpfe durch das Zaumzeug seiner Verheißung.
Fünf: Der Herr Jesus schützt sein Volk vorsehungsgemäß mitten in einer Welt von Feinden und Gefahren.
Sechs: Er straft die Übeltäter und vergilt durch seine Vorsehung das Unheil, das sie denen anzutun gedenken, die ihn fürchten.
Dies war der puritanische Glaube, der unsere Zeit möglich machte. Er war der Glaube, ohne den unsere Epoche nicht hätte entstehen können. Und wir werden nicht zu einer Ordnung zurückkehren, die Gott gefällt, ohne einen Glauben dieser Art — daß Christus wahrhaftig Herr aller Dinge ist.