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Martin Bucer Seminar

Begriffsregister

Glossar

Die Fachbegriffe des Kurses, kurz bestimmt. Wer einen Begriff nachschlagen will, findet hier die Definition, die der Kurs voraussetzt — und den Ort, an dem er entfaltet wird.

Anthropologie und Schöpfung

Bild Gottes (imago Dei)

Die Bestimmung des Menschen, Gottes Ebenbild zu sein. Der Kurs unterscheidet fünf Achsen: Erkenntnis, Gerechtigkeit, Heiligkeit, Herrschaft und Personsein. Die Geschlechtlichkeit gehört ausdrücklich nicht zu diesen Achsen — sie ist eine Sache der Kreatürlichkeit, nicht des Bildes selbst. (Episode 1, Kurstext 1)

Reife

Der Zustand, in dem der Mensch geschaffen wurde: mündig, verantwortlich, prüfbar, frei unter dem Gesetz. Reife ist nach dem Kurs kein Entwicklungsergebnis, sondern eine Schöpfungsgabe, die durch den Fall verloren und durch die Gnade wiedergewonnen wird. (Episode 1 und 3, Kurstext 3)

Dominion / Herrschaft

Der Auftrag aus 1. Mose 1,28, die Erde zu bebauen und zu regieren. Herrschaft wurde vor dem Fall eingesetzt und bleibt bestehen; der Fall hat nicht den Auftrag aufgehoben, sondern ihn unter den Fluch gestellt. Der Kurs versteht Herrschaft als Hirtendienst, nicht als Willkür. (Episode 1 und 5)

Paradiesmotiv

Die Sehnsucht nach dem verlorenen Zustand, die nach Rushdoony in jeder Kultur als Legende wiederkehrt. Sie ist keine Einbildung, sondern echte Erinnerung — und zugleich Weissagung. Im Sünder verkehrt sie sich in Antinomismus: das Verlangen, das Paradies ohne Gott und gegen das Gesetz herzustellen. (Episode 1)

Fall und Sünde

Infantilisierung / Infantilismus

Der Leitbegriff des Kurses. Die Bewegung des gefallenen Menschen zurück in die Unmündigkeit: Erlösung ohne Prüfung, Verantwortung ohne Verantwortung. Nicht zu viel Trieb ist das Problem, sondern zu wenig Erwachsensein. Politisch zeigt sich die Infantilisierung als Tyrannei — Erwachsene, die regiert werden wollen wie Kinder. (Episode 3, Kurstext 3)

Antinomismus

Die Aufhebung oder Relativierung des göttlichen Gesetzes. Der Kurs behandelt ihn nicht nur als Lehre, sondern als Haltung: als die Gestalt, in der das Paradiesverlangen des Sünders sich gegen das Gesetz wendet. (Episode 1 und 3)

Erbsünde / Föderalismus

Die Lehre, daß Adams Fall alle Nachkommen betrifft. Die reformierte Tradition begründet das föderal — Adam als Bundesrepräsentant — im Unterschied zum realistischen Modell, das eine substanzielle Teilhabe annimmt. Der Streit (Placäus) ist in Kurstext 2 dargestellt. (Episode 2, Kurstext 2)

Schuld vs. Schuldgefühl

Schuld ist ein objektiver Tatbestand vor Gott; Schuldgefühl ist ein subjektiver Zustand. Die moderne Psychologie deutet Schuld in Schuldgefühl um — und macht sie damit behandelbar und letztlich unwirklich. Der Kurs sieht darin ein therapeutisches Manöver, das den Menschen entlastet und zugleich entpersonalisiert. (Episode 2)

Environmentalistisch / Umwelt-Determinismus

Rushdoonys Bezeichnung für die Erklärung des Bösen aus den Umständen statt aus dem Herzen. Er nennt sie die erste psychologische Entlastungslehre. (Episode 2, Kurstext 2)

Erkenntnis und Sprache

Gnosis / Epignosis

Gnosis ist Kenntnis, Information. Epignosis ist Erkenntnis, die die Kenntnis auf den Erkennenden und auf Gott bezieht. In der Schrift ist Erkenntnis niemals abstrakt, sondern personhaft. Der Kurs sieht im Gnostizismus — Erkenntnis ohne Bindung — die Grundhaltung des modernen Menschen. (Episode 1)

Heiligkeit

Wörtlich «ein Schneiden»: Absonderung und Hingabe. Heiligkeit ist keine Verarmung, sondern die Voraussetzung neuen Lebens — der Zweig wird abgeschnitten, um eingepfropft zu werden. (Episode 1)

Person / Entpersonalisierung

Der Erlöste wird mehr und mehr Person — er wird angesprochen, verantwortlich, benannt. Der Sünder sucht die Anonymität: das unpersönliche Gesetz, die entpersönlichte Schuld, das Gesicht in der Menge. (Episode 1)

Erlösung und Heilsordnung

Regeneration / Wiedergeburt

Neuschöpfung, nicht Stimmungswechsel. Sie betrifft die Erkenntnis- und Willensstruktur und ist deshalb ein psychologisches Ereignis ersten Ranges. Nach reformierter Lehre geht sie dem Glauben voraus. (Episode 4, Kurstext 4)

Ordo Salutis (Heilsordnung)

Die Ordnung der Heilsgaben: Berufung, Wiedergeburt, Bekehrung, Glaube, Rechtfertigung, Annahme an Kindesstatt, Heiligung, Verherrlichung. Der Kurs folgt Bavinck; die Reihenfolge ist logisch, nicht chronologisch zu verstehen. (Episode 4, Kurstext 4)

Rechtfertigung

Die Zurechnung der Gerechtigkeit Christi — ein forensischer, kein substanzieller Akt. Sie ist ausdrücklich nicht eine Wesensänderung; diese geschieht in der Heiligung. (Episode 4, Kurstext 4)

Annahme an Kindesstatt (adoptio)

Die Aufnahme in die Sohnschaft. Wichtig für den Kurs: Kindschaft bedeutet nicht Infantilität — der Erlöste wird zur Mündigkeit zurückgerufen, nicht in die Unmündigkeit versetzt. (Episode 4, Kurstext 4)

Heiligung

Die Erneuerung des Lebens. Der Kurs faßt sie als Wiedergewinnung der Reife — nicht als Leistung, nicht als Selbstoptimierung. (Episode 4, Kurstext 4)

Eschatologie und Ordnung

Wirklichkeitsprinzip

Der Schlüsselbegriff des Kurses am Ende: die Wirklichkeit Gottes wieder als Wirklichkeit nehmen. «Der Narr spricht in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott» — das Wirklichkeitsprinzip ist die Umkehr davon. (Episode 5, Kurstext 5)

Vierter Stand (fourth estate)

Der Zustand der Verherrlichung. Merkmale: der Auferstehungsleib, der Baum des Lebens, die Stiftshütte, die Sabbatruhe. Der Mensch, der seine Bestimmung vollendet — in Herrschaft und Heiligung. (Episode 5)

Theonomie

Die Auffassung, daß Gottes Gesetz für alle Lebensbereiche — auch die staatliche Ordnung — maßgeblich ist. Wichtig: Dies ist eine eigene Position Rushdoonys, nicht allgemein reformierte Lehre. Der Kurs kennzeichnet sie durchgehend als seine Position und unterscheidet sie von der überlieferten reformierten Staatslehre. (Episode 3 und 5, Kurstexte 3 und 5)

Van Til / «Integration downward»

Cornelius Van Tils Kritik an einer Theologie, die sich an außerchristliche Maßstäbe angleicht. Rushdoony folgt hier Van Til. (Episode 5)

Zur Zitierweise

Belegpraxis des Kurses

Schriftzitate stehen nach Schlachter 2000 und wurden aus der Textquelle gezogen, nicht aus dem Gedächtnis. Ausleger (Calvin, Matthew Henry, JFB, Poole, Keil und andere) werden in eigener deutscher Übersetzung wiedergegeben und mit Namen gekennzeichnet; die Originale stammen aus der Olive-Tree-Bibliothek. Rushdoonys eigene Positionen sind durchgehend als seine Position markiert — die Primärquelle ist seine Vorlesungsreihe «Human Nature» in 46 Lektionen.