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Martin Bucer Seminar

Rushdoony, «Human Nature» · Lektion 37 · Dritter und vierter Stand · Episode 5

Das Gewissen

1. Timotheus 1,5
Denn das Ziel der Weisung ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben.
1. Timotheus 1,18–20
Diese Weisung vertraue ich dir an, mein Sohn Timotheus, gemäß den prophetischen Worten, die einst über dich ergingen, damit du durch sie einen guten Kampf führest, festhaltend an Glauben und gutem Gewissen; welches etliche von sich gestoßen haben und am Glauben Schiffbruch erlitten; unter ihnen Hymenäus und Alexander, die ich dem Satan übergeben habe, damit sie gezüchtigt werden, nicht zu lästern.
Titus 1,15–16
Den Reinen ist alles rein; aber den Befleckten und Ungläubigen ist nichts rein, sondern sowohl ihr Verstand als auch ihr Gewissen ist befleckt. Sie bekennen, Gott zu kennen, aber durch die Werke verleugnen sie ihn, da sie abscheulich und ungehorsam und zu jedem guten Werk untauglich sind.

Der Begriff des Gewissens ist uns sehr vertraut. So sehr, daß wir annehmen, wenn wir über das Gewissen sprechen, wüßte jeder überall und in jedem Zeitalter der Geschichte, wovon wir reden. Dies ist ein sehr schwerer Irrtum. Denn die Vorstellung vom Gewissen, die wir haben, ist ein biblischer Begriff. Er existiert nicht außerhalb der Schrift. Wenn wir andere Zivilisationen und Religionen daraufhin untersuchen, was wir Gewissen nennen, in ihrem Denken, stoßen wir auf einige eher seltsame Dinge.

Zum Beispiel. Bei den Griechen, und ebenso bei den Römern, bedeuteten Gewissen und Bewußtsein dasselbe. Es gab keinen Unterschied in ihrer Bedeutung. Bewußt zu sein, am Leben zu sein, denken zu können und ein Gewissen zu haben, bedeutete dasselbe. Identisch. Bei Plato wurde diese Idee etwas weiterentwickelt, so daß er lehrte, alle Menschen hätten, weil sie bewußt sind, Vernunft. Und die Vernunft ist ein Teil des menschlichen Bewußtseins. So war ein gutes Gewissen gutes Denken. Wahrhaft bewußt zu sein hieß, logisch zu denken. Es hatte nichts mit Moral zu tun.

Bei den Assyrern und Babyloniern gab es ein Bewußtsein von Sünde. Aber kein Gewissen, wie wir es kennen. Denn sie sahen nicht, was wir Sünde nennen, als Verantwortung des Menschen an. In der Literatur der Assyrer und Babylonier findet man viel Klagen über Unglück und Nöte und moralische Probleme, aber sie erkennen ihre moralische Verantwortung nicht. Sie schieben die Schuld den Göttern oder den Sternen oder der Umwelt zu.

Sie sehen moralische Probleme als Folge von Ursachen, auf die der Mensch keinen Einfluß hat. Und als Ergebnis hatten die Assyrer und Babylonier nichts, was wir Gewissen nennen könnten. Sie hatten keine Vorstellung davon. Die Ägypter sprachen vom Gewissen, aber bei den Ägyptern war das Gewissen an den Staat und das Staatsgesetz gebunden. Mit anderen Worten: Moral und Legalität waren ein und dasselbe. Wenn du dem Pharao ungehorsam warst, hattest du ein schlechtes Gewissen. Mit anderen Worten: Es war völlig legalistisch. Nicht moralisch. Nicht mit Gott verbunden.

Erst wenn man zur Schrift kommt, findet man den Menschen in Begriffen des Gewissens denken, und das sollte uns nicht überraschen. Schließlich war die Rechtfertigung Adams und Evas, als sie ein schlechtes Gewissen hatten, nicht, über das Gewissen zu sprechen. Die Schlange gab mir, und ich aß. Die Frau gab mir, und ich aß. Mit anderen Worten: Anstatt zu sagen, wir sind hier, weil wir von unserem Bösen bedrängt werden, leugneten sie die Verantwortung. Und wo immer in einer Zivilisation die Verantwortung geleugnet wird, wird das Gewissen geleugnet. Das bedeutet nicht, daß sie nicht im Innersten ein schlechtes Gewissen haben. Sie geben nicht einmal zu, daß es so etwas gibt.

Der Begriff des Gewissens existiert anders ausgedrückt nicht außerhalb der Bibel und derer, die einem biblischen Glauben anhängen. Er ist etwas Innerliches, auf Gott bezogen, gegründet auf die Tatsache, daß der Mensch Gottes Geschöpf ist und daher in allen Punkten Gott und Seinem Gesetz verantwortlich ist. Paulus sagt im Römerbrief 2, Verse 28 und 29:

Römer 2,28–29: Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, auch nicht ist das die Beschneidung, die äußerlich am Fleische ist. Sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und die Beschneidung ist die des Herzens, im Geiste, nicht im Buchstaben; dessen Lob nicht von Menschen, sondern von Gott kommt.

In diesen Worten sagt der Apostel Paulus zwei Dinge. Erstens: Der wahre Gläubige ist der wahre Jude. Der Israelite Gottes in jedem Zeitalter, das auserwählte Volk Gottes — ob man sie Juden oder Israeliten nennt, er gebraucht beide Bezeichnungen — sind die, die es durch den Glauben sind. Zweitens betont er die Innerlichkeit des Glaubens, des Gehorsams, des Gewissens. Es geht nicht nur um eine äußerliche Konformität mit dem Gesetz, sie ist innerlich, sie kommt vom Herzen. Das rechte Verhältnis von Herz, Verstand und Wesen, von Glauben und Gehorsam, von Glauben und Werken zu Gott und Seinem Wort.

Als Mohammed im 6. Jahrhundert auftrat, war er mit der Bibel vertraut. Er gebrauchte den Namen Gottes, des Gottes der Schrift, und beanspruchte, seine Religion sei die wahre Vertreterin dessen, was Gott von alters her gelehrt habe, das angeblich von Juden und Christen verfälscht worden sei. Doch verheidnte er alles, weil dies das erste Prinzip Mohammeds war. Moslem, Mohammedaner ist, wer es äußerlich ist. Das ist die erste Prämisse des Islam. Moslem ist, wer es äußerlich ist. Was bedeutet das? Man vollzieht bestimmte Riten, hält das Fasten des Ramadan, betet täglich in Richtung Mekka kniend und spricht bestimmte Formeln. Das ist alles. Daher rühmen sich Mohammedaner, die Bibel biete eine unpraktische, unmögliche Religion. Mohammed aber gab etwas, das jeder Mensch befolgen könne. Das stimmt. Der verkommenste Mensch kann Moslem sein. Denn, wie Mohammed sagte: Moslem ist, wer es äußerlich ist. Und praktisch kam dies freilich darauf hinaus: einer, der dem Islam gehorcht, der staatsgläubigen sozialen Ordnung, die der Mohammedanismus ist.

Der biblische Glaube gründet auf der Tatsache, daß der Mensch Gottes Geschöpf ist und in allen Dingen, zu allen Zeiten und in allen Lebenslagen Gott verantwortlich ist. Unausweichlich hat Gott den Menschen auf Sein Gesetz hin ausgerichtet. „In ihm leben, weben und sind wir“, erklärt der Apostel Paulus. Der Mensch kann der Tatsache nicht entkommen, daß er von Gott geschaffen wurde, um Gott zu gehorchen, Ihm zu dienen und Ihn zu verherrlichen. Er kann das Gesetz Gottes nicht übertreten, ohne es in seinem Herzen zu wissen und zu fühlen. Doch wie Adam und Eva verbirgt und leugnet er es. Der Mensch kann dem Gewissen nicht mehr entfliehen als der Tatsache, daß Gott ihn geschaffen hat. Zwar kann das Gewissen nicht zum Schweigen gebracht werden, doch wird es durch die Sünde abgestumpft. Wenn dies geschieht, bleibt es tief im Herzen als ein verborgener innerer Feind des eigenen Seins bestehen. Shakespeare erkannte dies, als er Hamlet sagen ließ: „So macht das Gewissen uns alle zu Feiglingen, und der natürliche Farbenton der Entschlossenheit wird bleich überzogen vom bleichen Schimmer der Reflexion, und Unternehmen von großer Bedeutung und Tragweite kehren sich bei dieser Betrachtung ab und verlieren den Namen der Tat.“

Mit anderen Worten: Wenn Menschen ihr Gewissen ersticken, lähmt dies ihr Handeln. Beispiele dafür, was geschieht, wenn Menschen ihr Gewissen leugnen, gibt es viele. Eines werde ich nie vergessen: ein Kommilitone, als ich vor einigen Jahren in Berkeley studierte. Wir belegten gemeinsam einen Kurs über den russischen Roman, und das Buch, das wir damals lasen, war „Schuld und Sühne“. Dieser junge Mann dachte genau wie Raskolnikow in jenem Roman. Raskolnikow hatte entschieden, es gebe keinen Gott. Daher gebe es keine Moral. Daher könne ein Mensch tun, was er wolle. Das Gewissen sei nur ein Produkt der Gesellschaft — von dem, was Kirche, Lehrer und Eltern einem in jungen Jahren eintrichterten. Der aufgeklärte Mensch, so Raskolnikow, könne alles, alles sei ihm möglich. Und so machte er sich daran, dies zu beweisen, indem er eine alte Frau ermordete, die er für nicht besser hielt als eine menschliche Laus.

Ein junger Mann hielt sein Leben für wertlos und wollte beweisen, daß er einen solchen, gesellschaftlich wertlosen Menschen töten könne, ohne daß sein Gewissen ihn beunruhigte. Doch natürlich beunruhigte es ihn. Er fand sich, wohin er auch ging, verfolgt, ängstlich, gejagt — in seinem Geist und in seinem Herzen. Dostojewskij schildert dies mit großer Kraft und Lebendigkeit. Der Student identifizierte sich beim Lesen so vollständig mit Raskolnikow, weil er für richtig hielt, was Raskolnikow tat, daß es fast so war, als habe er selbst den Mord begangen.

Eines Tages nach dem Mittagessen, gegen Mittag, bog ich an der Ecke Shaddock und Berkley um — und dort stand er. Er war ein Stück vorausgegangen, hatte um die Ecke geblickt, war hastig zurückgekehrt und lehnte nun zitternd an der Hausecke. Ich trat auf ihn zu und fragte, was los sei. Er begann, über jenes verdammte Buch zu fluchen.

Warum? Er war um die Ecke gebogen und hatte einen Polizisten in einiger Entfernung bemerkt. Da er sich wie Raskolnikow fühlte, wie ein Mörder, sich so völlig mit ihm identifiziert hatte, trieb ihn sein Gewissen beim Anblick des Beamten in den Winkel zurück, aus Furcht, erkannt zu werden. Er war so wütend auf das Buch, daß er den Kurs sofort abbrach und das Buch nie zu Ende las. Was aus ihm wurde: Philosophiestudent, dann Professor für Philosophie. Bei unserer letzten Begegnung lehrte er Philosophie, um seine alte Position zu rechtfertigen. Er hatte sein Gewissen unterdrückt. Er leugnete, daß ein solches Ding existiere — außer im freudschen Sinne als Produkt dessen, was man uns beibringt. Er mochte das Schuldgefühl nicht, weil er wußte, daß er eins war mit Raskolnikow. Der einzige Unterschied zwischen ihm und Raskolnikow bestand darin, daß Raskolnikow in der Geschichte tatsächlich einen Mord begangen hatte, er aber den Mut besessen habe, es nicht zu tun, obgleich er es für legitim hielt.

Das Gewissen läßt sich nicht auslöschen. Menschen werden leugnen, daß es existiert, oder behaupten, wie man es heute tut, es sei bloß ein soziales Produkt. Doch es ist da, wie sehr es auch unterdrückt wird. Der Apostel Paulus spricht immer wieder von der Zentralität eines guten Gewissens für ein gutes, fruchtbares Leben. Immer wieder treibt er diesen Punkt voran. Er schreibt an Timotheus, das Ziel des Gebotes sei Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen. Er redet davon, den Glauben und ein gutes Gewissen zu bewahren, wobei einige, die das Gewissen von sich gestoßen haben, am Glauben Schiffbruch erlitten. Ein Mensch muß ein gutes Gewissen vor Gott haben. Und sein Gewissen ist auf Gott ausgerichtet, nicht auf die Gesellschaft.

1. Timotheus 1,5 „Das Ziel der Weisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungeheucheltem Glauben.“
1. Timotheus 1,19 „… die da haben Glauben und gutes Gewissen; welches etliche von sich gestoßen haben und am Glauben Schiffbruch erlitten.“

Die Notwendigkeit eines guten Gewissens für ein freies und gottgefälliges Leben ist grundlegend für alles, was die Schrift lehrt. Ein gutes Gewissen kommt nur dann zustande, wenn ein Mensch durch die rettende Kraft Gottes in Jesus Christus wiedergeboren wird. Erst wenn durch das Versöhnungswerk Christi seine Sünden getilgt, sein Herz erneuert, sein Gewissen gereinigt und fortan empfänglich für Gott gemacht worden ist. Ein gutes Gewissen, so sagt der heilige Paulus wiederholt, bedeutet Festigkeit des Glaubens, Gehorsam gegen das Gesetz Gottes und Liebe. Ein schlechtes Gewissen bedeutet einen schlechten Glauben oder keinen Glauben, Ungehorsam gegen Gottes Gesetz und ein liebloses Herz. Der heilige Paulus sagt weiter: Wenn ein Mensch ein gutes Gewissen hat, behauptet er nicht mehr, die Unreinheit liege in der Welt, in den Dingen oder in der Umgebung; er erkennt sie in seinem Herzen. Daher muß die Reinigung in seinem Herzen beginnen.

Titus 1,15 Den Reinen sind alle Dinge rein; den Verunreinigten und Ungläubigen aber ist nichts rein, sondern ihr Verstand und ihr Gewissen sind verunreinigt.

Nun führte der heilige Johannes diese Worte eindringlich aus. Er sagte, es gebe Menschen, die vom Fleisch und von allem, was mit dem Fleisch zusammenhängt, als etwas Schmutziges sprächen. Und er sagte, dies sei Sünde ihrerseits. Wieder andere, so sagte er, sprächen, weil uns geboten sei, kein Schweinefleisch zu essen, vom Schweinefleisch als von etwas Unreinem. Auch dies, sagte er, sei moralisch verkehrt. Die Unreinheit liegt nicht in den Dingen. Sie liegt in dem Gebrauch, dem sie zugeführt werden. Und so schloß er kurz: Wenn wir sehr fromm und heuchlerisch sein wollen, ist alles unrein. Andernfalls, wenn wir nicht fromm tun wollen, ist nichts unrein. Doch alle Dinge sind rein. Gott hat nichts unrein gemacht, denn nichts ist unrein außer der Sünde allein. Denn sie reicht bis an die Seele und verunreinigt sie. Alle andere Unreinheit ist menschliches Vorurteil. Das ist Unreinheit. Sie selbst sind unrein. So verhält es sich hier: Wenn die Seele unrein ist, hält sie alle Dinge für unrein. Daher sind ängstliche Beobachtungen kein Kennzeichen der Reinheit. Sondern es gehört zur Reinheit, in allen Dingen frei zu sein. Denn wer von Natur rein ist, wagt sich an alles heran; die Verunreinigten an nichts. Dies können wir gegen den Marxismus sagen: Siehst du, daß es ein Kennzeichen der Reinheit ist, über aller Verunreinigung zu stehen; nichts anzurühren, bedeutet Unreinheit. Dies gilt sogar in Bezug auf Gott. Daß er Fleisch annahm, ist ein Beweis der Reinheit; hätte er es aus Furcht nicht angenommen, wäre das ein Beweis der Verunreinigung gewesen. Was ist denn unrein? Sünde, Bosheit, Habsucht, Gottlosigkeit. Mit anderen Worten: Der heilige Johannes der Christenheit sagte, es gebe keinen Dualismus in der Schrift. Es ist nicht reiner Geist und unreine Materie. Alle Dinge, die Gott machte, wurden rein und heilig gemacht. Der Mangel an Heiligkeit, die Sünde, ist im Herzen des Menschen. Und es ist der Mensch, der durch den Mißbrauch der Dinge zu Zwecken, für die sie nicht bestimmt sind, Unreinheit hervorbringt.

Ein unreines Gewissen schreibt, anders ausgedrückt, die Unreinheit den Dingen zu, nicht sich selbst. Das ist die Behauptung des heiligen Paulus. Der unreine Mensch ist ein Umweltmensch. Er wird das System verantwortlich machen. Es ist der Kapitalismus, oder was immer das System sein mag. Es sind die anderen Menschen, es sind meine Eltern. Die Umwelt. Dem Unreinen sind alle Dinge unrein, ausgenommen er selbst. Der Gottselige aber, der Reine, sieht alle Dinge als von Gott geschaffen an, und es ist der Mensch, der, wenn er Gott leugnet, der Mensch, wenn er sündigt, der Mensch, wenn er abtrünnig wird, der die Dinge durch seine Sünde unrein macht. Der heilige Paulus sagt ferner im Hebräerbrief, daß unser Gewissen von solchen toten Werken gereinigt wird. Mit toten Werken meint er diese ganze Welt des Umweltdenkens. Und die Feinheiten, wodurch man der Welt ausweicht, weil die Welt die Quelle der Unreinheit sei. Und man nimmt eine „heiliger als du“-Haltung ein. Er sagt, unser Gewissen werde von solchen toten Werken gereinigt durch das Blut Jesu Christi, der sich durch den ewigen Geist ohne Flecken und Makel Gott dargebracht hat. Und er fährt fort zu sagen, daß Christi Versöhnung unsere Herzen von einem bösen Gewissen reinigt. Er sagt wieder im Timotheusbrief, daß ein böses Gewissen eines ist, das mit einem glühenden Eisen gebrannt ist. Der Ausdruck „mit einem glühenden Eisen gebrannt“ ist sehr aufschlußreich. Das bedeutet, es ist so verödet, daß es alle Empfindsamkeit verloren hat und nicht mehr reagiert. Eine wörtlichere Übersetzung könnte in moderner Sprache lauten: in ihrem eigenen Gewissen mit einem glühenden Eisen gebrandmarkt. Das Bild ist der Praxis entnommen, Sklaven und bestimmte Verbrecher auf der Stirn mit einem Mal zu brandmarken.

Der heilige Paulus bezieht sich darauf im 1. Timotheus, 4. Kapitel, 2. Vers. Und dann fährt er fort zu sagen, wenn er von diesen Leuten redet, die Lügen und Heucheleien sprechen, weil sie von der Lehre der Teufel verführt worden sind. Ihr Gewissen ist mit einem glühenden Eisen gebrannt, sie verbieten zu heiraten und gebieten, sich der Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat, damit sie mit Danksagung genossen werden von denen, die glauben und die Wahrheit erkennen. Denn alle Kreatur Gottes ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und das Gebet.

1. Timotheus 4,1–5 Der Geist aber sagt deutlich, daß in den letzten Zeiten etliche vom Glauben abtreten werden und anhangen werden den verführerischen Geistern und Lehren der Teufel; durch Heuchelei und Lügen reden, die ein gebranntes Gewissen haben; die verbieten zu heiraten, zu enthalten von Speisen, die Gott geschaffen hat, damit sie mit Danksagung genossen werden von denen, die glauben und die Wahrheit erkennen. Denn alle Kreatur Gottes ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und das Gebet.

Mit anderen Worten, was der heilige Paulus an Timotheus schrieb, war dies: Eine Religion, die auf Umweltdenken ausgerichtet ist, die nicht Wiedergeburt und ein gutes Gewissen vor Gott als Grundlagen sieht, wird sagen: Wir vermeiden die Sünde, indem wir nicht heiraten, weil es die Frauen sind, die verunreinigen, oder die Männer, die euch verunreinigen. So meidet jene abscheulichen Geschöpfe. Und wir werden das Fleisch meiden, weil das Fleisch euch verunreinigen wird. Oder wir werden dies, jenes und das andere meiden, als seien die Dinge die Quelle der Verunreinigung, und nicht die Menschen, die aus ihren Herzen heraus, durch ihren Abfall von Gott, sich selbst und die Welt verunreinigen.

Das Gewissen ist somit, wenn es nicht von Gott durch Jesus Christus gereinigt wird, unrein. Es schreibt die Unreinheit den Dingen zu, statt sich selbst, und stellt so die Welt moralisch auf den Kopf. Das Gewissen ist entweder auf den Glauben an Gott ausgerichtet oder vertritt eine gottfeindliche Position. Zunächst wurde die Bedeutung des Gewissens im Heidentum dargelegt: es kannte keine Vorstellung von Gewissen, wie wir sie verstehen.

In einem philosophischen Wörterbuch wird das Gewissen heute wie folgt definiert: „Gewissen ist jede emotional gefärbte Erfahrung, in der eine Handlungsneigung durch die Erkenntnis gehemmt wird, daß — sozial bedingt — als Folge der Ausführung des Impulses böse Konsequenzen zu erwarten sind.“

Das Gewissen ist ein rein soziales Produkt, nichts weiter. Es ist das, was Kirche, Eltern und Lehrer gelehrt haben. Es steht in keiner Beziehung zu Gott und zu einem absoluten moralischen Gesetz. Es ist somit bloß Gefühl, ohne jeden Gehalt, ohne jede Bedeutung. Diese Gefühle wirken hemmend. Wie also ein gutes Gewissen erlangen? Indem man sich dieser hemmenden Faktoren entledigt, indem man wahrhaft aufrichtig ist. So wird die Aufrichtigkeit als der Weg zum Gewissen betont, und die Menschen sollen sich aufrichtig ihren Impulsen und Gefühlen hingeben.

Ein prominentes Beispiel rechtfertigte diesen Weg mit den Worten: „Ich bin freizügig, wenn das heißt, instinktiv zu handeln, ohne Rücksicht auf meine standesgemäße Erziehung. Zwischenmenschliche Beziehungen sind für junge Menschen weit wichtiger als das Placken in einem kleinen Job. Das ist das eine rettende Merkmal unserer Generation.“

Mit anderen Worten: Man handle instinktiv. Warum? Weil man, wenn man im Herzen rein ist, und wenn man seinem Herzen treu bleibt und instinktiv handelt, in Ordnung ist. Erst wenn man jenem schrecklichen Gesetzesbereich gehorcht, den die Menschen als von Gott stammend bezeichnen, gerät man in Schwierigkeiten und handelt nicht aufrichtig. Dies ist Gewissen, ein gutes Gewissen, in den Augen des modernen Humanisten.

In den Augen des Marxisten sind der Staat, die Diktatur des Proletariats, die verkörperte Vernunft, und man ist zu Platon zurückgekehrt. So daß, wer der rechten Vernunft gehorchen will, der Diktatur des Proletariats gehorcht. Und wer es nicht tut, sollte ein schlechtes Gewissen haben. Deshalb ist es für sie so wichtig, bei einem Prozeß den für schuldig Erklärten zu einem Geständnis zu bringen.

Und zu sagen, wie sein Gewissen ihn quälte, weil er die Gesetze des Staates verletzt habe, und nun wolle er dem Ankläger und dem Richter danken, daß sie ihn verurteilt und ihm die Gelegenheit gegeben hätten, sein Gewissen zu reinigen, indem er sagte, er habe die Vorschriften des Staates verletzt.

Mit anderen Worten: Was wir heute haben, ist das Gewissen, das wieder zu dem geworden ist, was es in den Tagen des Heidentums war. Der einzige Unterschied besteht darin, daß man ein Wort mit christlicher Konnotation genommen und es an völlig heidnische Konzepte geknüpft hat. Wir können nicht von Gewissen sprechen, als bedeute es etwas, es sei denn, es wird durch das Wort Gottes und den Geist Gottes unterwiesen. Es sei denn, es führt die Menschen zu einem fruchtbaren Leben und zu Glauben, Gehorsam und Freiheit vor Gott. Das Gewissen, das seinen Ursprung in Gottes Schöpfungstat hat, kann nur unter Gott und seinem Gesetz gedeihen. Alles, was wir dem Gewissen zuschreiben, wird unterdrückt und verschwindet in den dunklen verborgenen Winkeln der Schuld des Menschen, wo immer der Glaube geleugnet wird, wo immer keine Wiedergeburt ist.

Diese Männer, Hymenäus und Alexander, waren zwei von Paulus' Mitarbeitern, die sich an einem entscheidenden Punkt als gottlose Menschen erwiesen. Durch ihr Handeln hatten sie Gott offenkundig gelästert; darum sagte Paulus: Ich habe sie preisgegeben, ich habe sie dem Satan und dem Gericht übergeben. Mit anderen Worten: In seinen Gebeten gab es fortan keine Fürbitte mehr für sie; er hatte Gott anheimgestellt, sie dem Satan zu überlassen — sie gehörten nun ihm, er möge mit ihnen verfahren, wie er wolle. Paulus wusch seine Hände in Unschuld, er hegte keine Hoffnung mehr für sie, betete nicht mehr in irgendeiner günstigen Absicht für sie.

1. Timotheus 1,20 Unter ihnen sind Hymenäus und Alexander, die ich dem Satan übergeben habe, damit sie gezüchtigt werden, nicht mehr zu lästern.

Ein aktuelles Beispiel für den Verfall des Gewissens liefert ein Bericht der Sacramento Union. Ein Mann, der über ein Vermögen von 250.000 Dollar verfügte, regelmäßig reiste, Urlaube auf Bermuda und in Mexiko machte, ein 50.000 Dollar teures Haus bewohnte, ein Büro mit Sekretärin unterhielt und ein Jahreseinkommen von 35.000 bis 50.000 Dollar bezog, erhielt ohne Schwierigkeiten Lebensmittelmarken. Er suchte eine Ausgabestelle in San Jose auf, legte seine Unterlagen, Ausgaben und Rechnungen vor, erläuterte seine monatlichen Kosten von 2.000 Dollar und sein Jahreseinkommen. Der Sachbearbeiter — ein junger Mann um die 26 oder 27 Jahre mit langem Haar, Bart und Ohrring, der angab, Musik studiert zu haben — erklärte, das Jahreseinkommen sei unerheblich, allein der Verdienst des Vormonats zähle. Da der Antragsteller gerade von einer Bermuda-Reise zurückgekehrt war und einen größeren Geldeingang erwartete, bescheinigte der Beamte ihm für den Vormonat kein Einkommen. Daraufhin wurden ihm für zwei Dollar Lebensmittelmarken im Wert von 106 Dollar zugesandt; die Lieferung erfolgt seither regelmäßig. Der Mann hatte den Antrag lediglich gestellt, weil er gehört hatte, praktisch jeder erhalte Lebensmittelmarken, und er wollte beweisen, daß dies möglich sei.

Ein Bericht eines Arztes aus Woodland Hills faßt die Ergebnisse einer Untersuchung von Dr. Ian Donald, Universität Glasgow, über zwanzigtausend legale Abtreibungen in England zusammen, bei denen dieselben Methoden angewendet wurden wie in den Vereinigten Staaten. Die Daten lassen befürchten, daß legale Abtreibung zur häufigsten Todesursache junger Frauen werden könnte. In Zahlen ausgedrückt: Weltweite Studien zu legalen Abtreibungen mit vergleichbaren Methoden zeigen, daß ein bis zwei von tausend Frauen sterben, neun Prozent unfruchtbar bleiben, vierzehn Prozent bei späteren gewünschten Schwangerschaften gewohnheitsmäßige Fehlgeburten erleiden, und das Risiko für Eileiterschwangerschaften sich um vierhundert Prozent erhöht. Schätzungen zufolge sterben in Krankenhäusern vier bis acht von tausend Müttern, die eine Abtreibung vornehmen lassen.

Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung bleiben etwa zehn bis fünfzehn Prozent aller Ehen aus den verschiedensten Gründen kinderlos. Solche Informationen werden der Öffentlichkeit vorenthalten; sie finden sich weder in Zeitungen noch in Krankenhausberichten oder populären Zeitschriften, da es Liberalen gelungen ist, Gesetzgebungen zu verhindern, die eine Untersuchung der Abtreibungspraxis und die Veröffentlichung entsprechender Statistiken vorschreiben würden.